Schreiben

Die Hemmung, anderen Tipps zu geben

Dieser Artikel ent­steht, nach­dem ich eine gute halbe Stunde lang alle meine gelieb­ten Notizbücher mit allen mei­nen gelieb­ten Ideen und Notizen für Blogbeiträge her­vor­ge­kramt und durch­ge­le­sen habe.

Okay, nein. Es gibt nur ein ein­zi­ges sol­ches Notizbuch mit Ideen für Blogbeiträge und von dem sind auch nur -Moment, ich zähle‐ fünf Seiten beschrie­ben. Wenngleich sie mit sehr klei­ner Handschrift sehr voll geschrie­ben sind. Aber ja, ich habe genau die­ses Notizbuch, in dem genug Ideen für die nächs­ten ein­ein­ein­halb Jahre ste­hen.
Und trotz­dem wusste ich heute nicht, wel­cher als nächs­tes dran­kom­men sollte.

Mein System funk­tio­niert fol­gen­der­ma­ßen: Ich ver­su­che, abwechs­lungs­reich zu sein. Wenn ich in die­ser Woche eine Rezension schreibe, ver­su­che ich, in der nächs­ten Woche etwas für eine andere Kategorie zu schrei­ben. Und wenn ich dann als nächs­tes die Buch‐Entropie dran­nehme, dann bleibt in der Woche dar­auf noch die Kategorie Schreiben, bevor ich wie­der eine der ande­ren dran­nehme.
Auch, wenn ich mich natür­lich nicht ganz so streng daran halte und ver­su­che, spon­tan zu sein (und ich bin sehr spon­tan, wenn es darum geht, bis Sonntagnachmittag nicht zu wis­sen, wor­über ich schrei­ben möchte) — das ist das Grundprinzip.

Diese Woche sollte Schreiben dran­kom­men. In mei­nem Notizbuch steht, wie gesagt, genug und Schreiben ist da keine Ausnahme. Ich hätte ein­fach die nächst­beste Notiz abha­ken und anfan­gen kön­nen zu schrei­ben. Aber ich habe es nicht getan, weil in mir so eine Art Blockade war.

Bisher habe ich in die­ser Kategorie über Schreibwarengeschäfte geschrie­ben, über das, was ich vor­habe und schaf­fen möchte und dar­über, wie ich meine Ideen finde und in Notizbüchern ablege. Letzteres zum Beispiel ist etwas, was ich schon ewig und wie selbst­ver­ständ­lich mache und dem­entspre­chend ist es ein­fach, dar­über zu schrei­ben. Wenn ich über Schreibprogramme berichte, erwähne ich das, was mir wich­tig ist.
Aber wenn ich über das wie schrei­ben möchte, dar­über, wie man Charaktere ent­wirft, wie man aus einer Idee mehr macht, wie man einen guten Anfang schreibt, wie man Spannung erzeugt, dann ist das noch ein­mal etwas ande­res. Denn zusam­men­ge­fasst bedeu­tet das ja, dass ich jeman­dem hel­fen möchte, alles rich­tig zu machen.

Ich bin kein Profi. Ich mache lau­ter Fehler. Ich bin sel­ber am ler­nen, ich bekomme jeden ein­zel­nen Tag ein Stückchen mehr Erfahrung. Wenn ich mit­hilfe die­ser Erfahrung an das wie her­an­ge­hen möchte‐was ich heute tun wollte‐, dann tritt meine Blockade in Kraft.

Denn auch, wenn ich weiß, dass nie­mand keine Fehler macht, stehe ich noch rela­tiv weit am Anfang. Okay, ein paar hun­dert Kilometer habe ich schon geschafft, sie spie­geln sich in einer mit Wörtern gefüll­ten Kiste wie­der, aber ich habe noch kein mehr­hun­dert­sei­ti­ges Projekt been­det. Nur fast. Meine Blockade sagt mir, dass fast nicht genug ist. Ich habe noch nichts ver­öf­fent­licht.
Wie kann ich dann ande­ren Leuten dabei hel­fen?
Ich habe noch nie­man­den die­ses rie­sige Etwas, das auf mei­nem Computer und zwei USB‐Sticks gespei­chert ist, lesen las­sen, noch nie­mand hat mir bestä­tigt, dass es gut ist.
Wie kann ich dann gut genug sein, um übers Gut wer­den zu erzäh­len?

Ich schreibe die­sen Blogbeitrag in der Hoffnung, dass ich damit den Felsen namens miese, fiese, blöde Blockade in mei­nem Kopf über­win­den kann. Oder noch bes­ser, ihn zu blauem Glitzer ver­puf­fen las­sen.
Denn warum sollte ich nicht über das schrei­ben kön­nen, was ich liebe? Es gibt kei­nen Grund dage­gen. Ich werde mich Stück für Stück an das wie her­an­tas­ten. Ich werde die Erfahrungen neh­men, die ich gemacht habe, und Blogbeiträge dar­aus machen.

Heißt: Ich werde erst über den per­fek­ten Buchanfang schrei­ben, wenn ich ihn sel­ber geschrie­ben habe. (Versteht mich nicht falsch: Der Anfang exis­tiert seit über einem Jahr, nur steht er auf mei­ner Ranking‐Liste aller Szenen ziem­lich weit unten. In der Hinsicht bin ich eine kleine Perfektionistin.)
Ich werde erst übers Überarbeiten schrei­ben, nach­dem ich sel­ber vor Freude über die Beendung mei­nes Projekts durch die Stadt getanzt bin, wäh­rend ich geru­fen habe: »Ich bin so gut! G‐U‐H‐T!« Und ich werde erst über die gan­zen ande­ren Entwicklungen zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­ten Buch aka. Baby schrei­ben, wenn die Projektdatei auf mei­nem Computer »PROJEKT 2« heißt.

Davon abge­se­hen werde ich mich trauen und in den Überschrift‐Kasten hin und wie­der Dinge wie »Wie erschafft man drei­di­men­sio­nale bzw. lebens­echte Charaktere?« oder »Mit wel­cher Methode plot­ten?« schrei­ben und das Gefühl, nicht gut genug zu sein, erfolg­reich ver­drän­gen, weil das Dinge sind, die ich ver­dammt noch mal kann und anwende und über­haupt. Und du, liebe Blockade, kannst mich mal.

*Luft hol*

Es wer­den ein­fach Mare‐Tipps wer­den. Manchmal viel­leicht ein biss­chen ver­korkst, aber ich denke, das gehört dazu, wenn ich die Finger auf mei­ner Tastatur plat­ziere.

Übrigens: Schaut mal bei schriftsteller-werden.de, Schreibmeer oder Vom Schreiben leben vorbei‐ drei Blogs, von denen ich denke, dass sich hier für jeden Schreiberling der ein oder andere wert­volle Ratschlag fin­det.

Ich rie­che den blauen Glitzer.

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