Washitape, Zettelbox, Tipp-Ex
Schreiben

Warum ich zum Schreiben den Ort wechseln sollte. Wirklich.

Schon mal was von Prokrastination gehört? Ist der­zeit mein Hobby. Und ich fange lang­sam an zu glau­ben, dass ich die Schuld viel­leicht doch auf etwas ande­res als ganz allein mich schie­ben kann. (Ein biss­chen zumindest.)

Hier kommt mein Schreibtisch ins Spiel. Der ist ein sehr krea­ti­ver Ort. Finde ich. Alles liegt rum und nichts hat eine Ordnung. Das ist doch die Definition eines krea­ti­ven Ortes. Oder so. Egal.

Jedenfalls. Auf mei­nem Schreibtisch ist die­ser ganze krea­tive Kram, und dann ist da mein Bildschirm, der auf zwei Büchern steht, weil er nicht höhen­ver­stell­bar ist, und meine Tastatur, die vor mir liegt und auf der ich gerade rum­tippe.
Ich glaube nur hin und wie­der, dass egal, wie krea­tiv und gut ein­ge­rich­tet ein Ort ist, anders gesagt, wie opti­mal ein Ort ist, um darin eine krea­tive Tätigkeit zu… tätigen…

Oh je. Sätze for­mu­lie­ren ist eine schwie­rige Sache.

Also. Egal wie fan­tas­tisch ein Schreibtisch ist, und egal wie gerne Menschen (wie zum Beispiel ich) daran sit­zen, um zu schrei­ben, nach einer gewis­sen Zeit ist irgend­wie die Luft raus. Wenn ich jeden Tag an die­sem fan­tas­ti­schen Schreibtisch sitze, dann fühlt sich das irgend­wann nicht mehr wie eine krea­tive Sache, son­dern wie eine auto­ma­ti­sche Routine an. Automatische Routinen füh­len sich nicht krea­tiv an. Und wenn es fest im Alltag ver­an­kerte Routinen sind, erschei­nen sie in der Regel auch alter­na­tiv­los. Automatische, alter­na­tiv­lose Routinen sind nicht kreativ.

Uff. Das kommt mir immer noch schwer ver­ständ­lich vor. Was ich sagen will: Ich habe ein krea­ti­ves Tief. Und das liegt daran, dass ich keine Abwechslung in mei­nen, äh, Kreationsprozessen habe.

Irgendwann habe ich mich an die­sen Schreibtisch gesetzt und dachte: So. Fantastisch. Jetzt sitze ich an die­sem Schreibtisch, und… jetzt sollte ich viel­leicht mal diese Kurzgeschichte schrei­ben. Weil das mein Hobby ist, rich­tig? Und weil ich das immer hier tue, auf die­sem Stuhl, an die­sem Tisch, mit die­ser Tastatur, wäh­rend ich auf die­sen Bildschirm starre.

Irgendwann dachte ich mir: Ich sollte den Ort wech­seln. Und dann habe ich mir in mei­nem Kopf vor­ge­stellt, wie ich BOB (mei­nen Laptop) von die­sem blö­den Bildschirm abkop­pele und mit ihm in ein Café gehe, wäh­rend drau­ßen ein leich­ter Wind weht und über­all Tautropfen hän­gen, und in die­sem Café sitze ich dann und trinke Kaffee, wäh­rend das Licht auf BOB scheint, weil ich näm­lich einen Fensterplatz habe, und natür­lich ist das Café leer und ich habe meine Ruhe, und ich bin so. unglaub­lich. produktiv.

Das dachte ich mir und dann habe ich mich an mei­nen Schreibtisch gesetzt und den Bildschirm ange­schal­tet und mich in mei­nen Schreibtischstuhl gefläzt und igno­riert, dass ich gerade die­sen unglaub­li­chen pro­duk­ti­ven Gedanken hatte.

Dann hat mein Kopf wohl kapiert, dass die­ser Cafégedanke nicht unbe­dingt der rea­lis­tischste ist, und dachte sich das nächste Mal nur noch: Wie wäre es, wenn du BOB vom Bildschirm abkop­pelst und mit ihm rausgehst?

Das dachte sich mein Kopf, wäh­rend ich mich wie­der an mei­nen Schreibtisch gesetzt habe. (Und nichts geschrie­ben habe.)

Jetzt habe ich die Ansprüche so weit run­ter­ge­setzt, dass es schon genug wäre, wenn ich BOB vom Bildschirm abkop­peln und mich mit ihm an einen ande­ren Tisch oder auf den Boden set­zen würde. Oder wenn ich ihn über­haupt mal vom Bildschirm abkop­peln würde.

Das Problem ist nur, dass die Prokrastination mich so fest im Griff hat, dass ich das ein­fach nie umsetze. Und des­we­gen schreibe ich die­sen Blogbeitrag, in der Hoffnung, dass wenn ich meine Vorsätze auf­schreibe und sie mit der Welt teile (wow, klingt das dra­ma­tisch), dass ich es dann schaf­fen werde, die­ses eine ver­dammte Kabel aus BOB raus­zu­zie­hen. Und mich an einen ande­ren Ort zu hocken. For creativity’s sake. Oder so.


Ah ja, übri­gens. Wenn du das hier liest und ein krea­ti­ves Loch hast, dann sieh das als Aufruf, dei­nen Standort zu ver­än­dern. Geh woan­ders hin. Jetzt.

Und viel Spaß beim Schreiben.

8 Comments

  • Joey

    Ich habe das auch immer wie­der, tat­säch­lich schreibe ich das Meißte ein­fach dann in mein Skizzenbuch, die krea­tive Phase habe ich dann immer im bus. Das ist genauso gut wie Zug, aber ich finde das irgend­wie trotz­dem bes­ser, weil ich nicht ganz so das Gefühl habe, dass jemand mitliest.

    • Mare

      In Bussen sollte ich auch öfter schrei­ben! Mach ich manch­mal sogar mit Notizbüchern, aber die Busfahrten sind halt immer viel zu kurz. Ich hab letz­tens eine Frau gese­hen, die saß mit ihrem Laptop an einem Fenstersitz, und jetzt will ich das unbe­dingt auch mal tun xD
      Aber tat­säch­lich fühle ich mich in Bussen beob­ach­te­ter als in Zügen, weil es in mei­ner Wahrnehmung ein­fach häu­fi­ger vor­kommt, dass Leute in Bussen neben einem sit­zen als in Zügen ^^

      • Mojito

        Das stimmt! Weil jede Minute eine neue Haltestelle ange­fah­ren wird, lau­fen gefühlt per­ma­nent Leute neben und hin­ter Dir herum; und weil sie selbst nichts für diese 20 Sekunden zu tun haben, sich aber anders als in der U‑Bahn festal­ten müs­sen, schauen sie den Sitzenden gerne auf Buch, Zeitschrift, Handy etc… aber bitte nicht auf den Computer!
        Du soll­test mal eine Fernbusreise pro­bie­ren XD

  • Mojito

    Gitarre üben geht bei mir auch nicht am Schreibtisch, son­dern bes­ser im Wohnzimmer oder im Keller.
    Setz Dich doch mal mit Bob auf den blauen Sitzball.
    Blau beru­higt, kana­li­siert Deine wir­ren Gedanken — und wenn das noch nicht reicht, setz Dich im Schneidersitz auf den Ball!!! XD

    • Mare

      Ja klar, aber Gitarre am Schreibtisch spie­len ist auch ein biss­chen, well, unüb­lich xD
      Was den Sitzball angeht: Ich will BOB doch nicht gefähr­den. Will ihn nicht ver­arz­ten müs­sen, wenn ich run­ter­falle. Für das Blau hab ich doch meine blaue Wand 😀

  • Cellie

    Ich schreibe nie an mei­nem Schreibtisch, meine Top 3 Orte zum Schreiben sind:
    1. mein Bett
    2. Autos
    3. Hotelzimmer
    Viel Spaß mit die­ser Information und jetzt nimm BOB und setz dich wo anders hin. Ihm wird auch schon lang­sam langweilig.

    • Mare

      Ich weiß. Fun Fact: In Zügen fühl ich mich auch immer krea­tiv. Bin da nur zu faul, BOB raus­zu­ho­len. Übliches Problem. Jedenfalls, wäh­rend ich dir das hier ant­worte, schreibe ich auf BOB statt auf der Tastatur. Bist du stolz auf mich?

      • Cellie

        Ich bin immer stolz auf dich, aber falls du mit BOB woan­ders sitzt als an dei­nem Schreibtisch, dann noch mehr.
        Oh, und nein, ich habe keine Benachrichtigung bekommen.

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