Buch mit darübergehängten Kopfhörern
Buch-Entropie

Warum ich Hörbücher nicht ausstehen kann

Hörbücher sind eine gran­diose Erfindung. Sie kön­nen (müs­sen aber nicht (tun sie nicht sel­ten auch nicht)) Büchern noch mehr Leben ein­hau­chen, als diese ohne­hin schon haben, und sie ermög­li­chen es mul­ti­tas­king­fä­hi­gen Menschen, noch mehr Dinge gleich­zei­tig zu machen, denn natür­lich ist man mit Kopfhörern auf dem Kopf nicht so bewe­gungs­ein­ge­schränkt wie mit einem rich­ti­gen Buch in der Hand, das oft dick und schwer und des­we­gen manch­mal etwas unhand­lich ist.

Das war’s aber schon.

Ich fühle mich grade ein biss­chen schlecht, weil ich zuerst zwei Anti-Serien-Beiträge geschrei­ben habe und jetzt das kommt. So lang­sam werde ich echt anti-positiv. (Und so lang­sam wer­den meine Sätze auch echt anti-verständlich.)
Egal.

Leider muss ich diese zwei posi­ti­ven Aspekte im nächs­ten Absatz auch schon wie­der zunichte machen, denn:
Ich bin nicht mul­ti­tas­king­fä­hig. Absolut nicht. (Inwiefern ich multitasking(un)fähig bin, erfahrt ihr hier.)
Liebes Hörbuch, das kannst du ver­ges­sen. Und die Stimmen in mei­nem Ohr, die mir eine Geschichte erzäh­len, ver­zau­bern mich nicht und haben noch nicht ein­mal eine Schlaftablettenwirkung (man­che Leute hören sowas ja zum Einschlafen), son­dern brin­gen mich ein­fach nur dazu, meine Kopfhörer gegen die nächste Wand wer­fen zu wol­len.

Ich ver­su­che es. Wirklich, ich schnappe mir immer wie­der das ein oder andere Hörbuch und setze mich damit in eine Ecke und höre es an. Oft suche ich mir die Vertonungen von Büchern aus, die ich bereits gele­sen habe und natür­lich quäle ich mich IMMER durch die Hörprobe, um sicher­zu­ge­hen, dass ich die Stimme mag. Fürs Protokoll: Selbst wenn das der Fall ist, ist schon die Hörprobe meis­tens eine Tortur.

Während ich dann das eigent­li­che Hörbuch anhöre, pas­siert fol­gen­des:
Ich werde unru­hig.
Ich werde unge­dul­dig.
Ich werde unru­hig und unge­dul­dig und zap­pe­lig und wün­sche mir, die Person, die die­ses ver­dammte Buch vor­liest, würde bitte, bitte schnel­ler spre­chen. Ich schaue auf die Minutenanzeige und mir kommt unwei­ger­lich der Gedanke, dass ich die­ses Kapitel schon längst fer­tig hätte, wenn ich es sel­ber gele­sen hätte. Ich suche nach Tätigkeiten, die ich neben­her machen kann, weil ich auch so schon abso­lut mise­ra­bel darin bin, ein­fach nur dazu­sit­zen und nichts zu tun, und die­ses Hörbuch ist noch schlim­mer als nichts.
Ich häkele und ver­gesse, zuzu­hö­ren. Ich wei­gere mich, zurück­zu­spu­len. Und irgend­wann reiße ich mir die Kopfhörer von den Ohren und werfe sie gegen die nächste Wand.

Nachdem ich diese Erfahrung gemacht habe, ist mir der Gedanke gekom­men, dass ich es ein­fach mal dann pro­bie­ren sollte, wenn ich ohne­hin nichts ande­res machen kann und das Hörbuch somit auch nicht als Zeitverschwendung durch­geht. Sprich: Während einer zehn­stün­di­gen Autofahrt.
Dafür habe ich mir Hörbücher raus­ge­sucht, die ich nicht schon als Bücher kannte, denn viel­leicht war das ja das Problem gewe­sen.
Jetzt kann ich vol­ler Stolz sagen: Das erste habe ich fer­tig gehört, mit Müh und Not und einer Pause alle halbe Stunde. Das zweite habe ich gar nicht erst ange­fan­gen, denn dazwi­schen hatte ich eine Erleuchtung und habe mir end­lich ein­ge­stan­den, dass ICH KEINE HÖRBÜCHER AUSSTEHEN KANN!

Das Autofahrt-Hörbuch hat mir jeg­li­che Motivation genom­men, das Buch dazu zu lesen. Vielleicht war genau das auch der Grund, warum ich davor nur die Hörbücher von mir schon bekann­ten Büchern ange­hört (oder es zumin­dest ver­sucht) habe: Weil mir neue, noch unent­deckte Geschichten zu schade dafür waren.
Übrigens: Ich habe auch Podcasts aus­pro­biert. Im Auto geht das noch, ansons­ten stelle ich genau die glei­che Reaktion bei mir fest. Ich schätze, mir ist ein­fach nicht mehr zu hel­fen.


Wenn ihr Hörbücher mögt und hört, dann hört sie und seid glück­lich, dass ihr sie gerne hört, denn eigent­lich sind sie ja wirk­lich eine gran­diose Erfindung. Und ver­ra­tet mir doch außer­dem mal, was ihr nun eigent­lich davon hal­tet?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.