Schreiben

Das perfekte Schreibprogramm: Was sollte es können?

Zuerst ein­mal: Braucht man zum Geschichten schrei­ben über­haupt ein spe­zi­ell dafür ange­fer­tig­tes Schreibprogramm?

Die Antwort lau­tet nein. Absolut nicht.
Früher haben Leute ganze Romane auf Papier geschrie­ben, spä­ter auch noch Wort für Wort in den Computer abge­tippt. Heute schrei­ben genug (soll ich sagen Autoren? Ich sag jetzt ein­fach mal Autoren) Autoren ihr gesam­tes Projekt mit Microsoft Word, dem, so sollte man mei­nen, ulti­ma­ti­ven Textverarbeitungsprogramm.

Aber Word ist nicht die Sorte Programm, die ich mit „Schreibprogramm” meine. Wenn ihr ein Projekt mit min­des­tens 30 000 Wörtern vor euch habt und das mit Word in Angriff nehmt, wer­den sich neben eurem Computer sehr bald schon Zettel über Zettel anhäu­fen. Mit (ich gehe jetzt davon aus, dass ihr eine Geschichte, wenn nicht ein Buch schreibt) Charakterplänen, einem Plot, even­tu­ell Bildern zur Inspiration oder ein­fach nur mit Ideen dar­auf.

Und, liebe Leute, das gibt ein Chaos. Deswegen lau­tet meine zweite Antwort: ja.
Ihr wer­det nicht ster­ben, wenn ihr 30 000 + Wörter mit Word schreibt, das machen immer­noch genug Leute.
Aber ein Schreibprogramm, das spe­zi­ell für all euer Gedankenchaos, die Sammlung von allen mög­li­chen Einfällen und gene­rell die gesamte Textentwicklung gemacht ist, klingt doch wie ein Traum, oder?

Und davon gibt es genug. Sie alle, oder die meis­ten zumin­dest, sind spe­zi­ell auf die Bedürfnisse von Autoren ent­wor­fen wor­den. Aber nicht alle haben die glei­chen Eigenschaften. Und wenn man uner­fah­ren ist und nicht weiß, wonach man sucht, ist man schnell in einem Meer von Angeboten ver­lo­ren. Also genau so, wie ich es war. Wow, das klang dra­ma­tisch.

Aus mei­nen eige­nen Erfahrungen und Bedürfnissen werde ich ein­fach mal ein paar Funktionen auf­zäh­len, die ein „per­fek­tes” Schreibprogramm mei­ner Meinung nach auf jeden Fall besit­zen sollte.


  • Die Notizfunktion

Ihr habt jetzt gerade einen Einfall zu die­ser einen Stelle, an der ihr gerade schreibt? Vielleicht wollt ihr ihn jetzt sofort notie­ren, um ihn spä­ter umset­zen zu kön­nen. Und ihr wollt ihn außer­dem bei der ent­spre­chen­den Textstelle behal­ten und nicht in einem Extraordner.

In man­chen Programmen, wie zum Beispiel Drama Queen kann man eine Stelle im Text mar­kie­ren und dort eine Notiz ein­fü­gen. In ande­ren, wie Scrivener, ist stän­dig eine Karteikarte am Bildschirmrand zu sehen.

Wie gesagt, ihr wer­det eine Menge Notizen haben und des­we­gen ist diese Funktion so etwas wie ein Lebensretter.


  • Automatisches Backup

Ihr schreibt. Immer und immer wei­ter, eure Ideen spru­deln im Moment nur so. So einen guten Schreibtag habt ihr lange nicht mehr gehabt.
Plötzlich ist der Bildschirm schwarz, der Computer abge­stürzt. Als ihr ihn wie­der anschal­tet, ist euer Text weg.

Das ist ein Albtraum. Der mir zum Glück so noch nie pas­siert ist. (Zwar in ande­rer Form, als ich einen Text mar­kiert habe und dann aus­ver­se­hen eine Taste gedrückt habe, aber dar­über reden wir jetzt nicht.)
Wie wäre es, wenn euer Schreibprogramm euren Text alle paar Sekunden auto­ma­tisch spei­chert?

Keine Textverluste mehr. Jedenfalls nicht die­ser Art.


  • Die Ordnerstruktur

Ich nehme wie­der Word als Vergleich: Sich dort in einem 200‐Seiten Dokument zurecht­zu­fin­den… wird schwie­rig. Das ist nicht schlimm, wenn man kein Problem damit hat, jede Menge zu scrol­len. Für mich aller­dings der Horror.

Ein Schreibprogramm sollte eine Gliederung haben. Ihr soll­tet euren Text in Kapitel, Szenen und viel­leicht sogar noch mehr ein­tei­len kön­nen. Ihr soll­tet mit nur einem Klick von einer Szene zur ande­ren sprin­gen kön­nen und nach­träg­lich Passagen irgendwo zwi­schen­drin ein­schie­ben kön­nen.


  • Eine Übersicht

Eine Ordnerstruktur führt über kurz oder lang dazu, dass ihr sehr viele Textdateien inner­halb eures Projekts haben wer­det. Vorausgesetzt, ihr nutzt die Ordnerstruktur. Da kann man leicht den Überblick ver­lie­ren.

Häufig bekommt man die­sen Überblick in Form eines Outliners wie­der. Und ich kann euch sagen, Outliner sind eine ganz her­vor­ra­gende Erfindung.

Ein Outliner ist schlicht und ein­fach eine Übersicht oder Gliederung der ein­zel­nen Teile, Kapitel oder Szenen, die sich in eurer Ordnerstruktur so befin­den. Dazu ange­zeigt wer­den oft alle rele­van­ten Informationen zu dem Kapitel/der Szene und im bes­ten Fall könnt ihr ein­stel­len, wel­che das sind.


  • Vollbildmodus

So viele Funktionen sind ja schön und gut, aber hel­fen lei­der nicht viel, wenn sie beim Schreiben stän­dig ablen­ken.
Ich möchte des­we­gen den guten alten Vollbildmodus nicht mis­sen. Ein Klick, und alle stö­ren­den Icons und Zeichen und Zähler sind aus­ge­blen­det. Alles was ihr jetzt noch seht, ist Text. Vielleicht ein Hintergrundbild? Auf jeden Fall Wörter und plötz­lich seid ihr unheim­lich moti­viert, ihre Anzahl zu ver­gößern.


  • Platz für Charakter‐ und Schauplatzbögen

Erinnert ihr euch noch, wie ich am Anfang gesagt habe, dass, wenn ihr Word nutzt, sich die Charakterbögen nur so neben eurem Computer sta­peln wer­den?

Wenn ihr ein Schreibprogramm habt, das euch kei­nen Platz für eigene Dokumente gibt (und davon gibt es durch­aus wel­che), pas­siert genau das Gleiche.
Auf mei­ner Suche nach dem rich­ti­gen Programm (Drama, Baby!) ist mir auf­ge­fal­len, wie wich­tig die­ser Platz für eigene Entwürfe und Ausarbeitungen etc. eigent­lich ist. Und nein, die Notizfunktion, die­ser win­zige Raum für Stichpunkte, reicht nicht.

Um einen Charakter mit sei­nem Aussehen, sei­ner Persönlichkeit und allem, was dazu­ge­hört, aus­zu­ar­bei­ten, braucht es jede Menge Platz. Und das bitte für mehr als einen Charakter. Das Gleiche gilt für wich­tige Schauplätze oder Gegenstände. Ansonsten endet ihr mit zwölf Dateien (min­des­tens) außer­halb eures Projekts und müsst jedes Mal, wenn ihr eine Information dazu braucht, wert­volle zwei Minuten damit zubrin­gen, den rich­ti­gen Ordner zu fin­den.
Und opti­mal ist es natür­lich, wenn einem eine Vorlage (an die man sich natür­lich nicht hal­ten muss) dazu­ge­bo­ten wird.


Ich werde defi­ni­tiv noch Erfahrungsberichte über ein­zelne Schreibprogramme ver­fas­sen, die ihr dann oben ver­linkt fin­den wer­det. Bis dahin:
(Wenn ihr Geschichten schreibt) Benutzt ihr ein Schreibprogramm? Wenn ja, wel­ches?

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