Schreiben

Eine Box voller Schmetterlinge und Wörter

Neulich habe ich mal wie­der ins unterste Fach mei­nes Regals geschaut. Nicht weil ich auf­räu­men wollte, schön wärs. Ich weiß gar nicht mehr, warum. Entweder weil ich etwas aus­sor­tie­ren wollte oder weil ich nach pin­ker Wolle gesucht habe oder weil ich Haarfarbe gebraucht habe.

Egal.

Zwischen Wolle und Haarfarbe lag auf jeden Fall eine Box. Blau mit Schmetterlingen drauf. Natürlich war mir die nicht unbe­kannt, ich wusste ja, was ich Jahre zuvor alles damit ver­an­stal­tet hatte, ich wusste sogar noch, dass sie eigent­lich nur Box 2.0 ist, weil die ursprüng­li­che zu klein gewor­den war.
Was ich dann aller­dings nicht mehr wusste, war, was genau ich Jahre zuvor zu dem Papier gebracht hatte, was dar­in­lag.

Liebe Leute, die fol­gende halbe Stunde lang war ich mir nicht sicher, ob ich lachen oder mich vor Fremdscham unter mei­nem Bett ver­krie­chen wollte.

Mehrere Entwürfe einer ein­ge­sen­de­ten Wettbewerbsgeschichte (ich habe nicht gewon­nen. Natürlich nicht. Lest die Geschichte, dann wisst ihr, warum), eine Geschichte, die in der Mongolei gespielt hat und die ich in ein damals lee­res Heft geschrie­ben habe, eine andere über… ich glaube, Monster?
Diese hat auf jeden Fall in einer ande­ren Welt gespielt und ich weiß noch ganz genau, wie viel Zeit ich damals damit ver­bracht habe, Landkarten zu zeich­nen und Namenslisten zu machen.

Und natür­lich befin­det sich in der Box‐ach was, in der Box‐ auch mein ers­ter ernst­haf­ter (hand­ge­schrie­be­ner) Versuch, ein Buch zu schrei­ben. Ich bin damals bis Seite 75 oder so gekom­men und dann kam ich nicht mehr drum­herum, mich zu fra­gen, was zur Hölle ich da ver­zapft hatte und wohin das Ganze füh­ren sollte.
Ich musste sie abbre­chen. Also, ich wollte sie abbre­chen.
Weil ich ziem­lich viel Zeit damit ver­bracht hatte und sie irgend­wann ziem­lich schreck­lich fand.
Einer mei­ner Freundinnen hat es das Herz gebro­chen. Sie hat mir quasi beim Schreiben über die Schulter geschaut. Ich glaube, sie hing mehr an der Geschichte als ich und nur ihr zuliebe habe ich die Geschichte ein paar Monate spä­ter wie­der auf­ge­grif­fen (und sofort wie­der fal­len gelas­sen).

Tja. Das Leben ist hart und unge­recht.

Das Witzige war, dass ich mich beim Lesen durch­ge­hend wie mein jün­ge­res Ich gefühlt habe. Ich wusste genau, warum ich was wie geschrie­ben hatte, wie ich mich gefühlt hatte und ich hatte teil­weise sogar die Gerüche von Orten, an denen ich geschrie­ben hatte, in der Nase. Hätten sich die Schmetterlinge aus ihrem Boxgefängnis gelöst und wären hoch­ge­flat­tert (oder Papierschmetterlinge? Hm…), wäre die Stimmung per­fekt gewe­sen.

Heute hätte ich zu einer Million Prozent bei­nahe alles anders geschrie­ben, aber, liebe Leute, diese eine halbe Stunde Lesen hat mei­nen Tag ver­süßt

Was ler­nen wir dar­aus?

Hebt das, was ihr pro­du­ziert, auf. Selbst wenn es Schrott ist. (Und pro­du­ziert es natür­lich erst ein­mal. Unbedingt!) Und dann, ein paar Jahre spä­ter, geht es durch, ganz in Ruhe. Ihr wer­det es nicht bereuen.

4 Comments

  • Bibliophila

    Hebt auf, .…die­sem wei­sen Rat kann ich nur zustim­men mit mei­ner mehr als 50 fachen lebens­er­fah­rung. Wie oft habe ich schon bereut, dass ich dies oder jenes ( sel­ten war es Materielles, denn das kann man meis­tens nach­be­sor­gen ) zu rasch besei­tigt habe, egal, aus wel­chem Grund. Es han­delte sich nicht unbe­dingt um Buchentwürfe und Ähn liches, viel beschei­de­nere Produkte von mir oder ande­ren, den­noch.
    Ich freue mich auch, dass du noch ana­loge Erzeugnisse fin­dest, denn wenn voll­ends alles digi­tal gespei­chert wird, ver­än­dert das natür­lich den Blick auf diese dinge sehr.
    Ich freue mich schon auf den nächs­ten Beitrag, der mich zum Nachdenken anregt.

    • Mare

      Lange musst du hof­fet­nlich nicht mehr auf den nächs­ten Beitrag war­ten 😀 Und ich stimme dir zu, es ist doch sehr schön, irgendwo noch etwas Papiergeschriebenes zu haben.

  • Lea

    Eigentlich sollte ich ja ler­nen, da hat mein Handy mir aber ange­zeigt, das ich eine E‐Mail bekom­men habe. Sie war eine Benachrichtigung, dass du einen neuen Blogeintrag gepos­tet hast.… Dann habe ich mit vor­ge­nom­men nur kurz zu schauen, worum es geht, naja die zwei ers­ten Sätze, hier­von haben mich über­zeugt alles zu lesen.… Du kannst einen wirk­lich in einen Lederband zie­hen! Weiter so 🙂
    Hallte mich bitte wei­ter vom ler­nen ab!!

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